Linkjuice: Was hinter dem Begriff steckt und was davon heute noch stimmt
Linkjuice ist Branchenjargon fuer eine echte Mechanik. Woher der Begriff kommt, warum sich die Verteilung seit ueber fuenfzehn Jahren nicht mehr steuern laesst und was stattdessen zaehlt.
Linkjuice beschreibt die Vorstellung, dass ein Link Wert von einer Seite zur nächsten weitergibt. Das Bild ist eingängig und in einem Punkt irreführend, denn es fließt nichts. Was tatsächlich passiert, ist eine Rechnung.
Die Grundlage steht im PageRank-Papier von Sergey Brin und Lawrence Page aus dem Jahr 1998. Der entscheidende Satz lautet, dass PageRank Links nicht alle gleich zählt und nach der Zahl der Links auf einer Seite normalisiert. (Quelle: Brin und Page, The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine, 1998)
Übersetzt heißt das, der Wert einer verweisenden Seite wird durch die Anzahl ihrer ausgehenden Links geteilt. Ein Link von einer Seite mit drei Verweisen trägt mehr als einer von einer Seite mit dreihundert.
Dazu kommt ein Dämpfungsfaktor, den die Autoren üblicherweise auf 0,85 setzen. Er bildet die Wahrscheinlichkeit ab, dass jemand weiterklickt statt abzubrechen. Praktisch bedeutet er, dass bei jedem Schritt ein Teil des Werts verloren geht.
Die Begriffe Linkjuice und Link Equity kommen im Originalpapier nicht vor. Beide sind später in der Branche entstanden.
Was Google heute dazu sagt
Zwei Aussagen sind belegt und scheinen sich zu widersprechen.
Gary Illyes schrieb 2017, der Toolbar-PageRank sei tot, intern werde PageRank weiterhin verwendet. Diese Unterscheidung ist wichtig. Verschwunden ist die öffentlich sichtbare Anzeige, nicht das Verfahren.
John Mueller riet dagegen, alles zu vergessen, was man über Linkjuice gelesen habe, weil es sehr wahrscheinlich veraltet, falsch oder irreführend sei. (Quelle: Search Engine Land, 2022)
Beides passt zusammen, wenn man den Unterschied zwischen Mechanik und Jargon sieht. Die Rechnung gibt es, die populären Regeln darum herum stimmen meist nicht.
Auffällig ist auch, was in Googles aktueller Dokumentation fehlt. In den Spam-Richtlinien ist von Ranking-Signalen und Ranking-Credit die Rede, das Wort PageRank taucht dort nicht mehr auf. Wer heute mit PageRank-Arithmetik plant, arbeitet mit einem Modell, das Google selbst nicht mehr so beschreibt.
Was mit dem Wert passiert, wenn eine Seite viel verlinkt
Die Rechnung aus dem Papier hat eine praktische Folge. Je mehr eine Seite verlinkt, desto weniger trägt der einzelne Link.
Ahrefs beschreibt das für die eigene Kennzahl offen. Eine verweisende Domain teile ihre Wertung gleichmäßig auf alle Domains auf, die sie verlinkt. Eine Domain mit dem Wert 10, die auf drei andere verweist, könne deshalb mehr bewirken als eine Domain mit dem Wert 80, die auf eine Million verweist. (Quelle: Ahrefs, 2025)
Das ist die Kennzahl eines Anbieters und nicht Google. Die Richtung stimmt trotzdem, und sie erklärt, warum Linkverzeichnisse und Seiten, die in jede Richtung verlinken, wenig bewirken. Wie ein einzelner Verweis überhaupt wirkt, steht ausführlich in unserem Beitrag dazu, wie Backlinks funktionieren.
Warum Linkjuice-Steuerung nicht mehr funktioniert
Es gab eine Zeit, in der sich die Verteilung steuern ließ. Die Technik hieß PageRank Sculpting. Wer unwichtige Links auf einer Seite mit dem nofollow-Attribut versah, sorgte dafür, dass sich der Wert auf die verbleibenden Links verteilte.
Matt Cutts hat 2009 öffentlich gemacht, dass Google das abgestellt hatte. Vorher hätten fünf Links ohne nofollow je zwei Punkte weitergegeben, weil die nofollow-Links bei der Division nicht mitgezählt wurden. Nach der Änderung gaben dieselben fünf Links je einen Punkt weiter. (Quelle: Matt Cutts, 2009)
Der Unterschied klingt technisch und ist entscheidend. Die mit nofollow versehenen Links zählen weiter im Nenner. Ihr Anteil wird nur nicht mehr umverteilt, er verfällt. Damit ist Sculpting wirkungslos geworden, und zwar bereits seit etwa 2008.
Wer heute liest, man solle interne Links mit nofollow versehen, um Kraft zu bündeln, liest einen Ratschlag, der seit über fünfzehn Jahren nicht mehr trägt.
Was du stattdessen steuern kannst
Wenn sich die Verteilung innerhalb einer verweisenden Seite nicht steuern lässt, bleibt die Auswahl der Quelle. Genau dort liegt die Arbeit.
Wie viel verlinkt die Quelle sonst? Eine Seite mit wenigen, redaktionell gesetzten Verweisen trägt mehr als eine Linksammlung.
Passt das Thema? Relevanz gehört zu den Faktoren, die über die reine Rechnung hinausgehen.
Ist die Seite indexierbar? Was nicht im Index steht, gibt nichts weiter.
Steht der Link im Text oder im Fußbereich? Redaktioneller Kontext wiegt schwerer als eine Platzierung neben hundert anderen.
Wie sieht die Qualität der Quelle aus? Dafür gibt es Metriken wie den Trust Flow, die das Vertrauen einer Domain abbilden.
Diese Auswahl planbar zu machen, ist der eigentliche Hebel. Wie eine solche Planung aussieht, zeigt unsere Backlink-Strategie. Auf dem Placement-Marktplatz stehen die Kennzahlen der Publisher nebeneinander, damit sich Quellen vergleichen lassen, bevor gebucht wird.
Was du dir merken solltest
Drei Dinge. Die Mechanik hinter Linkjuice existiert, das Bild vom fließenden Saft führt in die Irre. Die Verteilung innerhalb einer Seite lässt sich seit über fünfzehn Jahren nicht mehr steuern. Und was bleibt, ist die Auswahl der Quelle, also die Frage, von wem ein Verweis kommt und in welchem Umfeld er steht.
Häufige Fragen
Was ist Linkjuice?
Ein Branchenbegriff für den Wert, den ein Link an die verlinkte Seite weitergibt. Dahinter steht die PageRank-Rechnung, bei der eine Seite ihren Wert durch die Zahl ihrer ausgehenden Links teilt. Google selbst benutzt das Wort nicht.
Gibt es Linkjuice wirklich?
Die Mechanik gibt es, den Begriff nicht. Google hat bestätigt, PageRank intern weiter zu verwenden. In der öffentlichen Dokumentation spricht Google von Ranking-Signalen.
Wie viel Linkjuice gibt ein Link weiter?
Das lässt sich nicht in einer Zahl angeben. Nach der ursprünglichen Rechnung sinkt der Anteil je Link mit der Zahl der ausgehenden Links der Quelle, und bei jedem Schritt geht durch den Dämpfungsfaktor ein Teil verloren.
Kann ich Linkjuice auf meiner Seite steuern?
Innerhalb einer Seite nicht mehr. PageRank Sculpting über nofollow hat Google um 2008 abgestellt, öffentlich gemacht wurde das 2009. Der Anteil der so markierten Links verfällt, statt sich umzuverteilen.
Geben nofollow-Links Linkjuice weiter?
Seit 2019 behandelt Google die Attribute als Hinweis und nicht mehr als feste Anweisung. Google formuliert dazu, solche Links würden im Allgemeinen wie zuvor behandelt und für das Ranking nicht berücksichtigt.
Verlieren Links über mehrere Weiterleitungen an Wert?
Jeder Zwischenschritt ist ein zusätzlicher Schritt in der Rechnung. Deshalb lohnt es sich, Weiterleitungsketten aufzulösen und direkt auf das Endziel zu zeigen.
Was ist der Unterschied zwischen Linkjuice und Link Equity?
Praktisch keiner. Link Equity ist der etwas nüchternere Ausdruck für dieselbe Vorstellung. Beide Begriffe stammen aus der Branche und nicht von Google.
David baut seit 2016 Linkaufbau- und Digital-PR-Prozesse, erst als Agentur unter SEO Galaxy, heute als Plattform mit GetMentioned. Er hat eigene Projekte von null auf siebenstelligen Monats-Traffic skaliert und tausende Kampagnen für Kunden umgesetzt. Hier schreibt er über das, was in der Praxis wirkt, und über das, was nur Budget kostet.
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