Sichtbarkeitsindex: Was er misst und was er seit 2025 nicht mehr zeigt
Der Sichtbarkeitsindex summiert alle Google-Rankings einer Domain, gewichtet nach Suchvolumen und Klickwahrscheinlichkeit. Was die Zahl aussagt, warum sie ein Nullsummenspiel ist und was sie seit den AI Overviews nicht mehr zeigt.
Der Sichtbarkeitsindex summiert alle Google-Rankings einer Domain, gewichtet nach Suchvolumen und erwarteter Klickwahrscheinlichkeit. Sistrix erhebt ihn seit 2008.
Er ist ein Nullsummenspiel. Über alle Domains eines Landes werden 100.000 Punkte verteilt, du kannst also verlieren, ohne selbst schlechter zu ranken.
Sistrix sagt selbst, dass AI Overviews nicht in den Index einfließen. Gleichzeitig misst Sistrix, dass die Klickrate auf Position 1 bei einem AI Overview von 27 auf 11 Prozent fällt.
Ein randomisiertes Experiment weist 2026 erstmals kausal nach, dass AI Overviews die organischen Klicks um knapp 40 Prozent senken.
Der Index bleibt nützlich für den Wettbewerbsvergleich. Als Maß dafür, ob Besucher kommen, taugt er weniger als früher.
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Der Sichtbarkeitsindex ist eine Kennzahl für die Sichtbarkeit einer Domain in den Google-Suchergebnissen. Sistrix erhebt ihn seit dem 25. Februar 2008 und misst ihn für dreizehn Länder täglich, für die übrigen wöchentlich.
Die Zahl beantwortet eine einzige Frage. Wie viele Menschen könnten diese Domain bei Google theoretisch sehen? Sie beantwortet ausdrücklich nicht, wie viele tatsächlich kommen. Dazu später mehr, denn genau hier liegt das Problem des Jahres 2026.
Wie er berechnet wird
Die Rechnung läuft in drei Schritten, und Sistrix legt sie offen.
Erhebung. Für rund eine Million Suchanfragen je Land werden die Suchergebnisse abgefragt, je Keyword bis zu hundert Positionen. Das ergibt etwa 100 Millionen Datenpunkte. Das Keyword-Set soll einen Querschnitt des Suchvolumens im Land abbilden und wird regelmäßig ausgetauscht. (Quelle: Sistrix, 2026)
Gewichtung. Jedes Ranking wird nach zwei Größen gewichtet, nämlich dem Suchvolumen des Keywords und der erwarteten Klickwahrscheinlichkeit auf der gemessenen Position. Ein erster Platz bei einem häufig gesuchten Begriff zählt also viel, ein neunzigster bei einem seltenen fast nichts.
Aufsummierung. Alle gewichteten Rankings einer Domain werden addiert. Das Ergebnis ist der Indexwert.
Anzeigen und Sonderformate fließen nicht ein, der Index kennt ausschließlich organische Treffer.
Was die Zahl aussagt und was nicht
Hier entstehen die meisten Fehlschlüsse. Vier Eigenschaften sollte man kennen.
Es ist ein Nullsummenspiel
Über alle rankenden Domains eines Landes werden 100.000 Sichtbarkeitspunkte verteilt, und zwar in jedem Land dieselbe Menge. (Quelle: Sistrix, 2026)
Daraus folgt etwas, das viele überrascht. Deine Domain kann Punkte verlieren, obwohl sich an deinen Rankings nichts geändert hat. Es genügt, dass andere Domains besser werden. Ein fallender Index ist deshalb kein Beweis dafür, dass du etwas falsch gemacht hast.
Es ist kein Trafficindex
Sistrix formuliert das selbst deutlich. Der Sichtbarkeitsindex ist nicht als Traffic-Index konzipiert, gemessen wird SEO-Erfolg und nicht die Zahl der Besucher. In den meisten Fällen laufen beide Größen parallel, aber sie müssen es nicht.
Ein Grund dafür steckt in der Konstruktion. Sistrix rechnet mit einem Jahresdurchschnitt des Suchvolumens, der in allen Monaten gleich bleibt, damit Rankingveränderungen isoliert sichtbar werden. Der Index ist damit saisonblind. Bei einem Saisonthema kann er steigen, während die Besucher ausbleiben, und umgekehrt.
Absolute Werte sagen für sich genommen wenig
Sistrix nennt bewusst keine Zielwerte und empfiehlt stattdessen den Vergleich mit den eigenen Wettbewerbern. Wörtlich heißt es dort, eine Null vor dem Komma bedeute nicht, dass eine Website nicht erfolgreich sei.
Der Grund liegt im Keyword-Set. Es bildet den Durchschnitt eines ganzen Landes ab, deshalb hat ein breit aufgestelltes Kaufhaus zwangsläufig einen höheren Wert als ein Spezialanbieter mit zehn Produkten. Ein Branchenvergleich über solche Grenzen hinweg führt in die Irre. Über Länder hinweg ist der Wert dagegen vergleichbar, ein Index von 10 in Deutschland entspricht einem Index von 10 in den USA.
Er misst Sichtbarkeit, nicht Qualität
Der Index sagt nichts über die Stärke deines Linkprofils. Dafür gibt es eigene Metriken wie den Trust Flow. Die beiden werden regelmäßig verwechselt, messen aber verschiedene Dinge: das eine die Präsenz im Suchergebnis, das andere die Vertrauenswürdigkeit der verweisenden Domains.
Wo du ihn abfragst
Den Sichtbarkeitsindex im engeren Sinn gibt es nur bei Sistrix, der Begriff ist deren Kennzahl. Andere Anbieter haben eigene Größen mit ähnlichem Zweck, die aber anders rechnen. Einen Überblick über die Werkzeuge und wofür sie taugen, findest du in unserer Übersicht zu Linkbuilding-Tools.
Wichtig beim Abfragen. Ein einzelner Wert ohne Vergleich ist wenig wert. Nimm immer zwei bis fünf direkte Wettbewerber dazu und schau auf den Verlauf statt auf den Tagesstand.
Die Alternativen im Vergleich
Werkzeug
Was gemessen wird
Keyword-Set
Wichtigster Unterschied
Sistrix Sichtbarkeitsindex
Summe gewichteter Rankings in den Top 100
fest, rund 1 Million je Land
marktweiter Vergleichswert
Semrush Visibility
Sichtbarkeit in den Top 100 auf CTR-Basis
selbst gewählt
zwischen zwei Konten nicht vergleichbar, weil jeder eine andere Liste pflegt
Ahrefs Share of Voice
Anteil der eigenen Klicks an allen Klicks im Suchergebnis
selbst gewählt
Anteilsmaß, hundert Prozent sind strukturell unerreichbar
Ahrefs Domain Rating
Stärke des Linkprofils
keins
misst keine Sichtbarkeit, wird aber am häufigsten damit verwechselt
Google Search Console
echte Klicks, Impressionen, Klickrate, Position
keins, nur die eigene Website
gemessen statt geschätzt, dafür kein Blick auf Wettbewerber
Die Search Console ist die einzige Quelle mit echten Daten. Sie hat dafür eine Tücke, die 2026 wichtig geworden ist. Google rechnet eine Nennung im AI Overview als eine einzige Position, und alle Links darin bekommen dieselbe. Deine Durchschnittsposition kann sich dadurch verbessern, während die Klicks wegbrechen.
Was der Index in der KI-Suche nicht mehr zeigt
Das ist der Teil, der die Kennzahl 2026 in Frage stellt. Zwei Aussagen desselben Anbieters stehen nebeneinander.
Sistrix schrieb im Mai 2025, AI Overviews verdrängten keine organischen Treffer und würden deshalb nicht im Sichtbarkeitsindex berücksichtigt. Diese Aussage steht bis heute unwidersprochen in der Dokumentation, und an der grundsätzlichen Berechnung hat sich seit 2008 nichts geändert. (Quelle: Sistrix, 2025)
Im Februar 2026 veröffentlichte Sistrix eine Auswertung von über 100 Millionen Keywords im deutschen Index. Ergebnis:
Die Klickrate auf Position 1 fällt bei einem AI Overview von 27 auf 11 Prozent. (Quelle: Sistrix, 2026)
Über alle Keywords gerechnet kostet das in Deutschland rund 265 Millionen organische Klicks im Monat, im Schnitt minus 6,6 Prozent. (Quelle: Sistrix, 2026)
Die Streuung ist enorm. Manche Portale verlieren rund ein Prozent, Gesundheitsseiten bis über 30 Prozent. (Quelle: Sistrix, 2026)
Beide Aussagen zusammengenommen ergeben die Lücke. Die Position bleibt gleich, das Suchvolumen bleibt gleich, also bleibt auch der Indexwert gleich. Der Klick aber verschwindet. Genau die Größe, die der Index über seine Klickgewichtung abbilden soll, hat sich verändert, ohne dass sich der Index verändert.
Wie belastbar ist das?
Lange gab es dazu nur Korrelationen, und die haben eine bekannte Schwäche. Suchanfragen mit AI Overview sind überwiegend informationaler Natur, und solche Anfragen führten schon immer seltener zu Klicks. Semrush hat genau darauf hingewiesen und in einer eigenen Auswertung sogar einen leichten Rückgang der Zero-Click-Rate gefunden, von 33,75 auf 31,53 Prozent. (Quelle: Semrush, 2025)
Seit Juni 2026 gibt es einen sauberen Nachweis. Ein randomisiertes Feldexperiment mit 1.065 Teilnehmern, bei dem AI Overviews per Browsererweiterung in Echtzeit entfernt wurden, kommt auf einen Rückgang der organischen Klicks um 39,8 Prozent, von 0,62 auf 0,37 Klicks je Suche. Die Studie ist präregistriert und bisher nicht begutachtet. (Quelle: Agarwal und Sen, 2026)
Zwei Nebenbefunde sind aufschlussreich. Anzeigenklicks blieben unverändert, die Verschiebung trifft allein die organischen Ergebnisse. Und Googles Argument, KI-Antworten lieferten dafür bessere Klicks, ließ sich nicht bestätigen. Verweildauer, Absprungrate und Rückkehrrate unterschieden sich nicht.
Ahrefs kommt bei gleicher Position auf einen Rückgang der Klickrate um 58 Prozent, gemessen an 300.000 Keywords mit Search-Console-Daten. Der Anbieter hatte 2025 noch 34,5 Prozent gemessen und diesen Wert selbst nach oben korrigiert. (Quelle: Ahrefs, 2026)
Was daraus folgt, ist kein Abgesang auf die Kennzahl. Für den Wettbewerbsvergleich taugt sie weiter, denn alle Domains im selben Markt sind gleichermaßen betroffen. Als Antwort auf die Frage, ob Besucher kommen, ist sie schwächer geworden. Und sie sagt nichts darüber, ob deine Marke in KI-Antworten überhaupt vorkommt. Was dort zählt, steht in unserem Beitrag zur Sichtbarkeit in KI-Systemen.
Womit du Sichtbarkeit heute misst
Aus alldem folgt eine einfache Konsequenz. Eine Zahl reicht nicht mehr, es braucht zwei nebeneinander.
Die erste ist die klassische Sichtbarkeit im Suchergebnis, wofür der Sichtbarkeitsindex weiter der etablierte Vergleichsmaßstab ist. Die zweite ist die Sichtbarkeit in KI-Antworten, also die Frage, ob deine Marke genannt wird, wenn jemand ein Sprachmodell zu deinem Thema befragt.
MentionIQ deckt beides ab. Es analysiert deine Website und deine Konkurrenten, zeigt deine Backlink-Lücken und deine Sichtbarkeitslücken zur Konkurrenz, und zwar sowohl in der klassischen SEO-Sichtbarkeit als auch in der Sichtbarkeit in großen Sprachmodellen und KI-Suchen. Auf dieser Basis empfiehlt es passende Platzierungen. Wie sich die Entwicklung laufend verfolgen lässt, zeigt unser Monitoring.
Wie du die Zahl ab jetzt liest
Drei Dinge. Der Sichtbarkeitsindex bleibt der beste verfügbare Maßstab, um dich mit Wettbewerbern zu vergleichen. Er ist kein Trafficmaß und war nie als solches gedacht, in der KI-Suche gilt das stärker als früher. Und er beantwortet nicht die Frage, ob deine Marke in KI-Antworten vorkommt.
Häufige Fragen
Was ist der Sichtbarkeitsindex?
Eine Kennzahl für die Sichtbarkeit einer Domain in den Google-Suchergebnissen. Sie summiert alle Rankings einer Domain, gewichtet nach Suchvolumen und erwarteter Klickwahrscheinlichkeit auf der jeweiligen Position. Sistrix erhebt sie seit 2008.
Was ist ein guter Sichtbarkeitsindex?
Es gibt keinen allgemeingültigen Zielwert, und Sistrix nennt bewusst keinen. Aussagekräftig ist nur der Vergleich mit direkten Wettbewerbern und der Verlauf über die Zeit. Ein niedriger Wert bedeutet nicht, dass eine Website erfolglos ist.
Wie wird der Sichtbarkeitsindex berechnet?
Für rund eine Million Keywords je Land werden die Suchergebnisse erhoben. Jedes Ranking wird nach Suchvolumen und erwarteter Klickwahrscheinlichkeit gewichtet, danach werden alle Werte einer Domain aufsummiert.
Weil über alle Domains eines Landes eine feste Menge von 100.000 Punkten verteilt wird. Werden andere Domains besser, verlierst du Anteile, ohne selbst schlechter geworden zu sein. Auch ein ausgetauschtes Keyword-Set kann den Wert bewegen.
Ist der Sichtbarkeitsindex dasselbe wie Traffic?
Nein. Sistrix stellt selbst klar, dass die Kennzahl kein Traffic-Index ist. Beide Größen laufen häufig parallel, weichen aber ab, etwa bei Saisonthemen, weil der Index mit einem Jahresdurchschnitt des Suchvolumens rechnet.
Berücksichtigt der Sichtbarkeitsindex AI Overviews?
Nein. Sistrix hat 2025 festgehalten, dass AI Overviews keine organischen Treffer verdrängen und deshalb nicht in den Index einfließen. Da die Klickrate bei einem AI Overview trotzdem messbar fällt, bildet der Index diesen Verlust nicht ab.
Welche Alternativen zum Sichtbarkeitsindex gibt es?
Semrush und Ahrefs haben eigene Sichtbarkeitsmaße, die allerdings auf selbst gewählten Keyword-Listen beruhen und deshalb nicht marktweit vergleichbar sind. Echte Daten liefert nur die Google Search Console, dafür ohne Blick auf Wettbewerber.
David baut seit 2016 Linkaufbau- und Digital-PR-Prozesse, erst als Agentur unter SEO Galaxy, heute als Plattform mit GetMentioned. Er hat eigene Projekte von null auf siebenstelligen Monats-Traffic skaliert und tausende Kampagnen für Kunden umgesetzt. Hier schreibt er über das, was in der Praxis wirkt, und über das, was nur Budget kostet.
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